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Carsten Frederik Buchert, Marketingleiter der Felix Burda Stiftung
Carsten Frederik Buchert, Marketingleiter der Felix Burda Stiftung

Blog-Eintrag -

Stellungnahme: Aktuelle Medienberichte zur Darmkrebsvorsorge liefern ein falsches Bild

„Viele Deutsche vernachlässigen Früherkennung“, „Sind die Deutschen Vorsorgemuffel?“, „Darmkrebstest wird weniger genutzt“ - so lauten die Headlines von zahlreichen Beiträgen, die momentan auf vielen Online-Medien zu finden sind. Alle haben eines gemeinsam: Basis ist eine Meldung der dpa. 

Was es mit der Meldung auf sich hat und ob die "Panikmache" gerechtfertigt ist? Wir haben uns die Details mal genauer angesehen.

Eine dpa-Meldung mit Daten der BARMER hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen niedergeschlagen.
Grundtenor: Darmkrebsfrüherkennung wird seltener genutzt.
Denn, so der Artikel: Wenn man die Zahlen aus 2012 mit denen aus 2016 vergleicht, sieht man, dass weniger Stuhlbluttests erfasst wurden.

Das klingt erstmal nicht so toll.

Wenn man sich aber die Details der Artikel ansieht, stellt man schnell fest: Es handelt sich um Daten zum Haemoccult-Bluttest!
Dieser Test wurde jahrzehntelang in Deutschland eingesetzt und war Bestandteil der gesetzlichen Darmkrebsvorsorge. Allerdings wurde bei diesem Test nur erfasst, ob er vom Arzt ausgegeben wurde, nicht ob er auch durchgeführt wurde.

Wenn nun zwischen 2012 und 2016 Zahlen zurückgehen, heißt dies lediglich, dass weniger ausgegeben wurden. Es kann aber durchaus heißen, dass von den wenigeren ausgegebenen Tests, im Verhältnis zu früher mehr durchgeführt wurden. Und das wäre ja gut.
Das weiß man aber nicht!

Und zweitens wurde dieser Test abgeschafft: Seit April 2017 gibt es nur noch den immunologischen Stuhltest als gesetzliche Leistung. Mit dieser Neueinführung wurde auch das System geändert: Mittlerweile kann man nämlich auch messen, wieviele der ausgegebenen immunologischen Tests von den Patienten auch tatsächlich gemacht wurden.

Mit anderen Worten: Viel klickbarer Lärm um nichts! Und wahrlich kein Grund zur Panik.

Ganz im Gegenteil.
Denn etwas positives wurde in dem Artikel nur am Rande erwähnt: Die Anzahl der Vorsorgekoloskopien ist gestiegen! 
Diese Information hat es – natürlich – nicht in die Headlines geschafft.
Wäre ja auch zu langweilig gewesen!

Aber genau diese Info hätte womöglich viele Zauderer animiert, ebenfalls zur Vorsorge zu gehen.
Stattdessen fühlen sich diese Unentschlossenen durch den Artikel nun auch noch bestätigt: „Immer mehr machen das nicht. Dann mach ich es auch nicht. Denn die Masse hat wahrscheinlich recht.“

Das ist schade.

Hier wurde wieder mal ein Momentum verschenkt, Menschen für Prävention gewinnen zu können.

Und als wäre dies alles noch nicht genug, endet der Artikel mit einer Falschmeldung: Er behauptet, dass ab nächstem Jahr der Haemoccult Test als Alternative zur Darmspiegelung ab 50 Jahren zur Verfügung stehen würde. Aber wie gesagt: Der Haemoccult ist Geschichte. Es gibt ihn nicht mehr! Dass es einen weitaus besseren Test kostenfrei beim Arzt gibt – diese Information erhält der Leser leider auch nicht.


+++ AKTUALISIERUNG VOM 13.12.2018 +++ 

Unsere Stellungnahme hat für einige Reaktionen gesorgt. Und mittlerweile haben wir auch die Originalmeldung der dpa erhalten. Diese ist stellenweise ausführlicher, als die Berichte in den Medien und auch die Headline fällt zahmer aus. Die dpa hat aufgrund unseres Kommentars auch den letzten Absatz berichtigt, in dem sich nochmal der Hämoccult- statt dem immunologischen Stuhltest eingeschlichen hatte. Vielen Dank dafür.

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Die Felix Burda Stiftung mit Sitz in München wurde 2001 von Dr. Christa Maar und Verleger Prof. Dr. Hubert Burda gegründet und trägt den Namen ihres 2001 an Darmkrebs verstorbenen Sohnes. Zu den bekannten Projekten der Stiftung zählen u.a. der bundesweite Darmkrebsmonat März sowie der Felix Burda Award, mit dem herausragendes Engagement im Bereich der Darmkrebsvorsorge geehrt wird. Mit smarten Event-Tools und Gadgets bringt die Stiftung die Darmkrebs-Prävention zu den Menschen: Das größte begehbare Darmmodell Europas fasziniert seine Besucher auf 20 Metern Länge und als Virtual Reality-Darm. Die APPzumARZT managed als Gesundheits-Butler alle gesetzlichen Präventionsleistungen für die ganze Familie und allein über 150.000 User pro Jahr testen online ihr persönliches Risiko mit dem Schnellcheck-Darmkrebs. Die Felix Burda Stiftung betreibt Websites und Social Media-Präsenzen und generiert mit jährlichen, konzertierten Werbe- und PR-Kampagnen eine starke deutschlandweite Awareness für die Prävention von Darmkrebs. Die Felix Burda Stiftung ist Mitglied im Nationalen Krebsplan der Bundesregierung und in der Nationalen Dekade gegen Krebs des Bundesministeriums für Forschung und Bildung. Sie engagiert sich im Kuratorium des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und im wissenschaftlichen Beirat des Krebsinformationsdienstes.
www.felix-burda-stiftung.de

Pressekontakte

Carsten Frederik Buchert

Carsten Frederik Buchert

Pressekontakt Director Marketing & Communications 089-92502710

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